Polizei neu denken

Reihe «Polizei neu denken» · Die Neuauflage

Gen Z bei der Polizei: Sinnhunger ist kein Kulturbruch

· 2 Min. Lesezeit · Tobias Burkhard, Dozent FHNW & SPI

„Wir haben das früher einfach gemacht, ohne zu fragen.“ Dieser Satz stirbt aus, und das wird oft als Generationenkonflikt gelesen: Gen Z gegen die „alte Garde“, Work-Life-Balance gegen Einsatzbereitschaft. Das Register «Bild des Gelingens» liefert dafür einen genaueren Rahmen. Was hier als Kulturkampf erscheint, ist beim zweiten Blick derselbe Befund, den Fairness beginnt innen für die Organisation beschrieben hat – nur diesmal fordert eine ganze Generation ihn aktiv ein, statt ihn nur zu erleben oder zu erdulden.

Begründung statt Befehl – derselbe Mechanismus, neue Adresse

Wenn junge Polizistinnen und Polizisten fragen, warum eine Kontrolle so und nicht anders durchgeführt wird, ist das keine Insubordination. Es ist exakt eines der vier Elemente fairer Verfahren aus Das Handwerk der Fairness: die Entscheidung neutral zu begründen statt sie nur zu verkünden. Die Legitimitäts-Forschung hat diesen Mechanismus bislang vor allem im Verhältnis Polizei–Bürgerschaft untersucht. Die Gen-Z-Erwartung überträgt ihn nach innen, in das Verhältnis Führung–Mitarbeitende: Wer selbst Begründung statt Befehl erwartet, verlangt nichts anderes als das, was «Fairness beginnt innen» als Hebel für die Kultur nach aussen beschrieben hat.

Säule der alten Cop CultureGen-Z-ErwartungElement fairer Verfahren
Bedingungslose VerfügbarkeitDifferenzierte Flexibilität – Härte im Einsatz, nicht im DienstplanNeutrale Begründung
Starre Hierarchie, Befehl und GehorsamBegründung und Sinn („Was bringt dieser Einsatz?“)Stimme, bevor entschieden wird
Kameradschaft als Schweigen und DeckenKameradschaft als psychologische SicherheitWürde und Respekt

Warum das kein Attraktivitäts-, sondern ein Führungsproblem ist

Die naheliegende Diagnose lautet: Die Polizei hat ein Attraktivitätsproblem bei alten Strukturen. Richtiger ist: Sie hat ein Gelegenheitsfenster. Wenn interne Verfahrensgerechtigkeit tatsächlich der Hebel ist, der – wie in diesem Register gezeigt – auf die Erfahrung wirkt, nicht auf das Leitbild, dann ist die Gen-Z-Forderung kein Kulturbruch, den man aussitzen muss, sondern eine Gelegenheit, genau den Hebel zu ziehen, der ohnehin am besten belegt ist: fair begründen statt nur anordnen.

Was das nicht heisst

Auch hier eine Grenze, die dieses Register an jeder Stelle zieht: Interne Fairness ersetzt keine Führung. Ein Verkehrsunfall lässt sich nicht aus dem Homeoffice aufnehmen, und „Härte im Einsatz ja, aber unnötige Härte im Dienstplan nein“ ist eine Differenzierung, keine Kapitulation vor jeder Forderung. Und die zugrundeliegende Generationenforschung selbst ist – wie die gesamte Legitimitäts-Evidenz dieses Registers – mit Augenmass zu lesen, nicht als Naturgesetz.

Neuauflage des Themas von Dezember 2025, gelesen durch das Register «Bild des Gelingens» – vergleiche Fairness beginnt innen und Das Handwerk der Fairness.