Polizei neu denken

Serie «Bild des Gelingens» · Teil 4 von 5

Was Führung daraus konkret ableiten kann

· 2 Min. Lesezeit · Tobias Burkhard, Dozent FHNW & SPI

Drei Teile dieses Registers haben einen Mechanismus belegt: Faire Verfahren erzeugen Legitimität, Legitimität trägt Kooperation zuverlässiger als Abschreckung, und die Fairness, die eine Organisation innen lebt, wandert nach aussen. Was bislang fehlt, ist der Schritt vom Befund zur Praxis. Der Spiegel-Test aus Teil 2 ist ein Anfang – aber eine einzelne Reflexionsfrage ist noch kein Führungsprogramm.

Vom Ideal zum Curriculum

Der Grund, warum sich das übersetzen lässt, liegt im Queensland-Experiment aus Teil 1: Mazerolle und ihr Team haben Fairness nicht als Charakterzug vorausgesetzt, sondern als kurzes, lernbares Gesprächsskript trainiert – und der Effekt war messbar. Genau dieselbe Logik trägt in die Führung: Nicht die Ermahnung „Seid fair“ verändert etwas, sondern ein konkretes, wiederholbares Ritual, das sich einüben und beobachten lässt.

Drei Rituale statt einer Haltung

Aus den vier Elementen (Würde, Stimme, Neutralität, redliche Motive) lassen sich drei Führungs-Rituale ableiten, die einzeln unspektakulär sind und ihre Wirkung aus der Wiederholung ziehen:

  1. Die Vor-Entscheid-Frage: Bevor eine Entscheidung fällt, die Betroffenen direkt berührt, wird gefragt, nicht nur informiert. Stimme heisst, gehört zu werden, bevor entschieden ist – nicht danach.
  2. Die Nach-Entscheid-Begründung: Jede Entscheidung, die anders hätte ausfallen können, wird in der Sache begründet, nicht nur verkündet. Das ist aufwendiger als ein blosser Entscheid – und genau das ist der Punkt.
  3. Der wiederkehrende Debrief: Das Beobachtungsraster aus Teil 1 wird nicht einmalig, sondern habituell: nach jeder relevanten Übung, jedem Fall, jeder Sitzung dieselben vier Fragen. Wiederholung macht aus einer Übung eine Kultur.

Was das nicht ist

Zwei Klarstellungen. Erstens ist das kein Ersatz für Entscheidungsfähigkeit – Teil 2 hat es bereits festgehalten: Neutral begründen heisst entscheiden und erklären, nicht jede Entscheidung zur Abstimmung stellen. Wer Führung mit Konsenssuche verwechselt, hat die Forschung missverstanden. Zweitens beschreibt dieser Text Prinzipien, die sich aus der Forschung ableiten lassen – keine Innenansicht einer bestimmten Organisation und keine operative Anleitung. Wie eine konkrete Führungsschicht diese Rituale im eigenen Alltag umsetzt, ist eine andere, örtliche Frage.

Teil 4 des Registers «Bild des Gelingens», nach Fairness beginnt innen und Warum Legitimität mehr trägt als Abschreckung. Der letzte Teil zieht die Grenzen dieses Registers.